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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich in drei Arbeitsgruppen mit dem zukünftigen Entwicklungen und Möglichkeiten des Zusammenlebens der Menschen in Europa, insbesondere aber mit mit den Perspektiven Süd-Ost-Europas.
Arbeitsgruppe 1
Europa wächst zusammen
Fragestellung: Was kann die EU, was können die nationalen Regierungen, was wir alle tun, damit sich die Menschen (schneller) näher kommen?
Leitung: Sabine Bliestle
Die Teilnehmer an der Arbeitsgruppe 1 diskutierten den potentiellen
EU-Beitritt der Balkanstaaten auf zwei Ebenen: Was sind die Rechte
dieser Staaten, aber auch, was sind deren Pflichten?
Der Grundgedanke unserer Herangehensweise war die
deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die vor
allem von der Politik und von Organisationen (Städte-, Schul-,
Vereinspartnerschaften) angestoßen wurde. Dieses Modell der Begegnung
und Versöhnung könnte auf die Balkanstaaten angewendet werden. Die
EU-Verantwortlichen müssten eingestehen, dass sie keinen Plan für den
Umgang mit Krieg, Traumata und seelischen Verletzungen (wie auf dem
Balkan passiert) hatten. Und solche Pläne für den Notfall ab sofort
entwickeln.
Die EU müsste folgende Programme für die Bevölkerung in den für den Beitritt in frage kommenden Staaten auflegen:
breit
angelegte Vermittlung der Werte der Europäischen Union an möglichst
viele gesellschaftliche Gruppen (Schulen,
Nichtregierungsorganisationen, Vereine usw.) Dies könnte durch die
Ausbildung von einheimischen Teamern geschehen, die das Gelernte dann
zu Hause unterrichten
- Gelder bereit stellen zur
Ausbildung von Erziehern, die diese Werte, das friedliche Zusammenleben
unter Nachbarn, schon im Kindergarten unterrichten (Friedenserziehung)-
Gemeinschaftseinrichtungen für die verfeindeten Ethnien bauen (Brunnen,
Schulen, Krankenhäuser)
- Gelder für den Jugendaustausch mit EU-Mitgliedsstaaten bereitstellen
- Gelder
für die Beseitigung der Kriegsruinen zur Verfügung stellen,
zerschossene Ruinen beseitigen und Landminen räumen (wie soll eine
Zukunft entstehen, wenn man täglich an den Krieg erinnert wird ?)
- Sonderkonditionen für den Aufbau von kleinen und mittleren Unternehmen gewähren: Stichwort „Werte und Wirtschaft"
Aus unserer Sicht haben die Balkanstaaten auch eine Bringschuld, was ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Union angeht:
- Das
Eingeständnis von Schuld bedingt die Gewährung von Vergebung.Das heißt,
die ehemaligen Kriegsgegner müssten sehr schnell eine
Vergangenheitsbewältigung beginnen, indem sie sich zu ihrer kollektiven
Schuld bekennen und um Vergebung bitten (Modell: Bundesrepublik
Deutschland).Helfen könnte eventuell, wenn die Oberhäupter der
verschiedenen Religionen bzw. hochrangige Vertreter der einzelnen
Ethnien diesen Schritt öffentlich vollziehen würden.
- Schnelle Klärung der Eigentumsverhältnisse. Wiederaufbau ist nicht möglich, solange diese Fragen offen sind.
- Bedingungslose Verfolgung der noch untergetauchten Kriegsverbrecher und deren Auslieferung an den Haager Gerichtshof
- Gerichtsverfahren
für Mörder und Vergewaltiger, die bekannt sind und noch frei
herumlaufen. Diese Schuldigen müssen identifiziert und abgeurteilt
werden, damit die Opferfamilien einen neuen Anfang machen können.
- Die
Balkanstaaten müssen den Wertekanon der EU anerkennen, Werbung dafür
machen und auch einhalten. Blutrache und solche Dinge haben in der EU
nichts zu suchen. Korruption auch nicht.
Fazit:
Um die Balkanstaaten an die EU heranzuführen braucht es Geld, viel Geld
für Aufklärung, Bildung, Friedenserziehung, Aufbau einer
Zivilgesellschaft und den Aufbau einer Wirtschaft.Gleichzeitig muss die
EU den Balkanstaaten klar machen, dass von ihnen auch etwas erwartet
wird, das Mittragen der Philosophie (z. B. Souveränitätsverzicht) und
des Wertekanons der Europäischen Union in vollem Umfang.
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